SBS Alternativen: Zentyal

In meinem vorherigen Artikel habe ich über den Sinn und Unsinn von SBS (Small Business Server) Alternativen geschrieben. Ich habe mir zum Ziel gesetzt dieser Entwicklung eine Chance zu geben und so schreibe ich nun über die Alternative mit Namen „Zantyal“.

Wie wohl fast alle SBS Alternativen gibt es Zentyal auch in unterschiedlichen Versionen. Zum einen die „Professional“ mit Supportmöglichkeit und vermutlich auch besser getesteten Modulen. Zum anderen die „Community“ oder „Development“ Edition. Letztere habe ich genommen um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Als Grundlage für Zentyal dient aktuell ein Ubuntu 14.04 LTS. Somit soll wohl der Anspruch realisiert sein einen möglichst langen Zeitraum Supporten und somit ein stabiles Grundgerüst bieten zu können.

Als System habe ich ein Standalone-PC mit zwei 320 GB Festplatten und 2,5 GB RAM samt Dualcord CPU zur verfügung. Grundsätzlich mehr als genug Power für ein System mit so wenigen Aufgaben.

Nach dem Start via CD erscheint das übliche Bootmenü-Ding. Ich starte im Setup modus (experte). Die Installation fragt zuerst die Sprache, Zeitzone und Hardwarekomponenten ab um dann auch freundlicher Weise das Netzwerk über DHCP einzurichten. Der spannendere Teil ist wohl die Partitionierung. Hier habe ich eine manuelle Vorgehensweise gewählt, damit ich meine zwei Festplatten zu einem Softwareraid zusammenfassen kann und Boot, Root, Home Partitionen mit den gewünschten Optionen und Dateisystemen bereitstellen kann. Zudem habe ich auf jeder Festplatte eine Swap-Partition eingerichtet.

Danach geht es auch schon unkompliziert weiter. Eine Frage richtet sich noch an den Wunsch nach KlickiBunti (soll eine grafische Umgebung eingerichtet werden oder nicht) – welche ich verneine.

undefinedNach einem Neustart des Systems wird mir angezeigt wie ich auf die Weboberfläche gelange – sehr freundlich! Diese angesteuert führt mich Zentyal durch die Grundlegende Einrichtung von Netzwerk (ein Server mag es statisch), sowie über die einzurichtenden Module. Hier sehr interessant die freundliche Erklärung und grafische Aufbereitung. Ich wähle Druckserver, Domain und Netzwerkfreigabe, Firewall und klicke mich weiter. Zur Verfügung steht noch Email und Malifilter, Antivirus und ein paar kleinere Dinge wie VPN – also alles dabei, was ein Unternehmen eigentlich will.

Was mir gefallen hat war die Form des Feedbacks an den Benutzer. Zeitnah, ehrlich und sogar mit nachvollziehbaren Begriffen. Danach gelangt man auch direkt in die Verwaltungskonsole. Diese ist sehr aufgeräumt und geordnet. Klickt man sich durch die einzelnen Bereiche, so werden einem sehr aufgeräumte Informationen zur Verfügung gestellt und die gemachten Änderungen in einer Queue zusammengefasst. Man muss sich also daran gewöhnen den Knopf „Änderungen übernehmen“ zu klicken, wenn etwas passieren soll.
Für mich in erster Linie wichtig war die Einrichtung von Netzwerkfreigaben zur Speicherung von Daten an einer zentralen Stelle. Dazu habe ich mal fix die zuvor unbeachtet eingerichtete Samba Domäne geändert und die Eigenschaften verändert. Hier wird nicht ins Detail gegangen und der Benutzer soll sich einfach auf die Shares, die Benutzer und Namen konzentrieren. Grundsätzlich keine schlechte Sache. Nach einer Namensänderung der Domäne wurde auch die die Migrationsprozesse automatisch durchlaufen. Hätte man an dieser Stelle schon Benutzer und Computer in der Domäne gehabt, so müsste man nun die Computer erneut hinzu fügen – ein vertretbarer Aufwand. Auch der Betrieb eines sekundären Domaincontrollers samt Serviergespeicherten Profilen und „Heimlaufwerk“ stellen keine großen Probleme dar.

undefined

Die Firewallkonfiguration sieht übersichtlich und leicht verständlich aus. Es wird natürlich mit unterschiedlichen Zonen gearbeitet, welche dem Benutzer auf eine verständliche Art und Weise dargeboten werden.

DNS, DHCP und Zentyal-Einstellungen werden sehr übersichtlich gehalten und zeigen sich teilweise erst in Abhängigkeit zueinander. Die Umsetzung der gewählten Einstellungen passiert ziemlich zeitnah und ich hatte insgesamt den Eindruck, eine mehr oder weniger ausgewogene Grundlage für die zu erreichenden Aufgaben zu haben.

Als Fazit bleibt für mich der fade Beigeschmack ein Ubuntu auf einem Server zu haben. Damit habe ich grundsätzlich noch keine wirklich tollen Erfahrungen gemacht. Dieses „Urteil“ ist sicherlich auch meinem Minimalismus geschuldet, denn auch die Server Version von Ubuntu hat viele Eigenarten die einfach Ubuntutypisch sind. Die Bedienung über die Weboberfläche ist angenehm, übersichtlich, schnell und ziemlich intuitiv. Es macht den Anschein, als könnte man nichts falsch machen. Der Grund dafür liegt vermutlich auch in den sehr abgespeckten Möglichkeiten die man über das Webinterface hat. Zentyal geht hier einen ziemlich sterilen Weg. Für Unternehmen bestimmt nicht falsch – dann muss es aber auch passen. Ist das nicht der Fall und man beginnt damit in die Tiefen abzutauchen, so wird sicherlich klappen, allerdings verlässt man dann auch den Dunstkreis der Entwickler.
Insgesamt hatte ich dahingehend einen guten Eindruck, das ich mir vorstellen kann zukünftig in nicht so wichtigen Umgebung weiter damit herumspielen zu können. In einer nächsten Einrichtung werde ich die Funktion, Anbindung und Bedienung und vor allem Nutzungsmöglichkeiten in Verbindung mit MS-Office-Produkten testen. Was mir leider nicht ins Auge gefallen ist, ist die Sicherung von Daten und Einstellungen. Zwar zeigt sich ein Feld, dass einem ein Onlinebackup zur Verfügung stellt. Allerdings bezweifle ich das es für einen klar denken Administrator eine ernstzunehmender Vorschlag ist.

 

 

 

Source: Der Bode

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.